In der Wolke muss die Freiheit wohl grenzenlos sein
Entschuldigt diese cheesy Überschrift, aber ich konnte einfach nicht anders.
Hinter mir liegt (mal wieder) ein viel zu kurzes Wochenende, an dem ich nicht nur von einer Erkältung geplagt wurde, sondern auch (mal wieder) meinen Mac neu aufsetzen durfte. Erhöhter Schwierigkeitsgrad kam, weil mein Laufwerk im Eimer ist, die eingebauten Wlan-Antennen ebenfalls schon länger den Geist aufgaben und hier fast nur Upgrade-System-DVDs rumfliegen. Lange Rede, kurzer Sinn: ich verbrachte einfach viel zu viel Zeit mit Installationen und vor allem Daten und Backups wiedereinzuspielen. Und als ich so im Chaos saß und die aktuelle Bits und so hörte, die sich mit dem Thema Daten in der Wolke befasst, reifte in mir der Entschluss mal diese öminose Datenwolke genauer anzuschauen.
turtlemom4bacon (CC-Lizenz)
iPhone vs. Nintendo 3DS vs. Sony PSP
Da wühlt man sich morgens aus dem Bett, schlurft an den heimischen Rechner und wird mit einer einzigen Nachricht hellwach:
Nintendo hat offiziell einen Nachfolger zum Nintendo DS angekündigt. Keine Iteration der schon bestehenden Hardare (zur Erinnerung: Aus dem Nintendo DS wurde der DS Lite wurde der DSi wurde der DSi XL), sondern ein wirklicher DS2. Die Faktenlage ist mehr als dünn, aber was man weiß, klingt viel versprechend: Codename Nintendo 3DS, die offizielle Enthüllung auf der E3 im Juni, ein Release (in Japan?) bis zum März 2011. Der Clou zeigt sich schon im Codenamen, das Gerät soll 3D fähig sein, völlig ohne umständliche Brillen. Ein mehr als mutiger Schritt von Nintendo und Anlass für mich, einen kurzen Überblick zur aktuellen Lage über den mobilen Spielesektor aus meiner Sicht.

Nintendogs in 3D? Bild: jimf0390 (CC-Lizenz)
PS3 + Move = Wii HD
Sony präsentierte auf der Game Developer’s Conferebce in diesem Jahr ihre Antwort auf den Erfolg der Wii. Der PlayStation Move sieht nicht nur so aus wie eine Wiimote, Sony scheint sich ganz bewusst wie eine Wii HD präsentieren zu wollen. Ein paar Gedanken dazu, und warum das vielleicht gar nicht mal so doof ist.

Im Bilde: Links der etwas sperrig benannte „Subcontroller“, rechts der „PlayStation Move“ mit dem leuchtenden Ball. Nicht im Bild: Die erforderliche PlayStation Eye Kamera. Quelle: PlayStation Blog Europe
Wo bleibt der Diskurs? Wo bleibt die Innovation?
Ich hab es wirklich satt.
Zur kurzen Klärung und Einordnung: ich zwar erst spät ins Netz gekommen, dann aber mit vollem Tempo. 2005 aufgesprungen, gleich gebloggt, in Foren herumgestöbert und dem ganzen glänzenden 2.0-Trend verfallen. Ich war auf der ersten re:publica, ich war also quasi mitten in der Hochphase der deutschen Blogszene. Doch dann verlor ich die Lust und zog mich und meine Kommunikationskanäle stark zurück.
Und genau deshalb habe ich den ganzen 2.0-Scheiß mittlerweile so satt. Aus einer tollen Idee wurde etwas etabliertes wurde ein von Marketing-Typen und Excel-Tabellen erobertes Feld. Ja, ich halte Blogs immer noch für eine wichtige Instanz im Netz. Ich liebe die kostenlose, hochqualitative Podcast-Unterhaltung und kann damit gut auf Radio und Fernsehen verzichten. Ich twittere gern und finde die Technik und den Service faszinierend.
Aber mir geht das große Drumherum mittlerweile auf den Sack. Das mag ein bisschen so sein, wie bei der Lieblingsband, die auf einmal bei RTL zu sehen ist. Mainstream versus Indie, oder so. Was aber nicht heißen soll, dass ich dem Netz den Mainstream nicht gönnen würde, im Gegenteil! Mich stört nur das, was danach kam.
Mich stört zunehmend die Ver-Beraterisierung. Jeder Kasper mit Twitter-Account und Facebook-Profil meint mittlerweile die große Ahnung zu haben und diese an die ach so unfähigen Unternehmen weitertragen zu müssen. Marke „Wer nix wird wird Wirt war früher. Heute wird man Web2.0 Experte.“
Mich stört der Verfall der (deutschen) Blogosphäre, die es irgendwie auch nicht geschafft hat nach 2005 was großes zu reissen. Klar, es gibt die großen, es gibt die wichtigen, deren Arbeit möchte ich gar nicht kleinmachen. Aber meistens sind das Instanzen, die eben schon zur ersten re:publica Instanzen waren. Wo ist der Nachwuchs, wo sind die fantastischen, tollen, frischen Konzepte aus der Blog-Szene? Wo sind die Grenzübergreifenden Diskussionen? Wo bleibt der Diskurs?
Aber am allermeisten, am aller-allermeisten stört mich der Mangel an Innovation, der hier im Netz passiert. Auch klar, die wenigsten Leben von Luft und Liebe und müssen sich tagsüber ihre Miete verdienen und hauen dann in der spärlichen Freizeit aus Lust in die Tasten. Das finde ich gut. Aber ich befürchte, das die erwähnten Business-Kasper zunemhend die Überhand gewinnen, eben weil sie irgendwen davon überzeugen konnten, mit ihrer heißen Luft die Miete bezahlen zu können. Also, wo bleiben die großen Innovationen?
Twitter? Twitter ist auch schon seine vier Jahre alt, steigt immer mehr durch die Decke und ist in meinen Augen eine etablierte (und ja, auch sinnvolle!) Sache. Blogs? Die haben ja wie erwähnt seit Jahren eine gewisse Lethargie für sich gepachtet. Facebook? Da mag mich meine egene Skepsis vielleicht reiten, aber Facebook ist für mich auch nichts neues, macht ein bisschen mehr wie als wie als Flickr und die eigene Homepage. Also auch nicht weiter innovativ und neu und mag seine Etablierungsphase auch schon längst hinter sich gelassen haben. Was ist mit Audio? Video? Last.fm, YouTube, Podcasts? Ja, ja und ja, aber auch alles keine neuen Fortbewegungsmittel, sondern die alten Räder, die ebenfalls zu einem gewissen Standard geworden sind (bis auf Podcasts, die sind hier in Deutschland auch wieder fast bedeutungslos geworden).
Ich meine die richtig kreativen, neuen Dinger, die an der eigenen Vorstellungskraft kratzen und uns mit unserem Umgang des Netzes herausfordern. Ich denke da an eine Analogie zum iPhone. Klar, hat das Rad auch nicht neu erfunden, sondern eher vollends abgerundet, aber wir wurden alle von diesem Gerät und dem Umgang mit ihm weggefegt. Das Internet in der Hosentasche, mit den Fingern navigieren wir durch das Netz auf einem Touchscreen. Konsequent, diesen Bildschirm zu vergrößern und so das Netz noch schöner präsentieren zu können. Aber wo sind die neuen Konzepte? Warum sind Weblogs noch immer auf dem gleichen technischen Stand wie anno dazumal? Warum navigieren wir immer noch so unintuitiv über Archive, dazu noch chronologisch? Warum werde ich das Gefühl nicht los, dass nur noch Google versucht das Netz voranzubringen. Und was müssen sie sich dafür anhören? Prügel von den alten Medien und Betonköpfen.
Also, wollen wir das Netz wirklich den anderen überlassen, oder wollen wir endlich mal mehr draus machen?
Neustart
Endlich sitze ich mal wieder am Rechner und kann beobachten, wie ich ins Internet schreibe. Ein wenig habe ich es ja schon vermisst, lange ist’s her.
Doch was will ich hier eigentlich machen? Welchen Anspruch stelle ich an mich und an dieses Blog? Natürlich kann ich das noch nicht vollständig beantworten, aber das ist ja gerade der Punkt. Ich möchte in Zukunft einfach mal wieder öffentlich und laut nachdenken können. Und diese Gedanken, gebündelt und verfasst, hier zur Diskussion stellen. Schreiben, üben, denken. Irgendwie sowas.
Und ich habe mich für diesen Ort entschieden, weil ich irgendwie immer noch der Meinung bin, dass bei all dem ganzen 2.0-Scheiß und Social-Gedöns ein Weblog noch immer die beste Basis für sowas ist. ben_ wird nicht müde zu betonen, dass das Netz doch auch in einem architektonischen Kontext gedacht werden muss und diesen Gedanken hat er ziemlich tief in mir verwurzelt. Das Weblog als Fundament, als Living-Room der eigenen Webpräsenz finde ich extrem wichtig. Alles andere, Twitter, Facebook und Konsorten können höchstens weitere Zimmer darstellen, aber nicht die einzigen.
Ob und wie das tatsächlich funktionieren wird und was ich damit genau meine, werde ich hoffentlich demnächst etwas vertiefen. Jetzt muss ich erst einmal rausfinden, wie ich hier in MarsEdit Tags und Kategorien für diesen Beitrag setzen kann. Also, wie immer, das Wichtigste zuerst!
re
Wurde mal wieder Zeit. Wider der Lethargie, wider der Vergangenheit, wider besseren Gewissens…
Ich freu mich!
