Digital ist besser

Aus tiefster Überzeugung (…manchmal)

Wo bleibt der Diskurs? Wo bleibt die Innovation?

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Ich hab es wirklich satt.

Zur kurzen Klärung und Einordnung: ich zwar erst spät ins Netz gekommen, dann aber mit vollem Tempo. 2005 aufgesprungen, gleich gebloggt, in Foren herumgestöbert und dem ganzen glänzenden 2.0-Trend verfallen. Ich war auf der ersten re:publica, ich war also quasi mitten in der Hochphase der deutschen Blogszene. Doch dann verlor ich die Lust und zog mich und meine Kommunikationskanäle stark zurück.

Und genau deshalb habe ich den ganzen 2.0-Scheiß mittlerweile so satt. Aus einer tollen Idee wurde etwas etabliertes wurde ein von Marketing-Typen und Excel-Tabellen erobertes Feld. Ja, ich halte Blogs immer noch für eine wichtige Instanz im Netz. Ich liebe die kostenlose, hochqualitative Podcast-Unterhaltung und kann damit gut auf Radio und Fernsehen verzichten. Ich twittere gern und finde die Technik und den Service faszinierend.

Aber mir geht das große Drumherum mittlerweile auf den Sack. Das mag ein bisschen so sein, wie bei der Lieblingsband, die auf einmal bei RTL zu sehen ist. Mainstream versus Indie, oder so. Was aber nicht heißen soll, dass ich dem Netz den Mainstream nicht gönnen würde, im Gegenteil! Mich stört nur das, was danach kam.

Mich stört zunehmend die Ver-Beraterisierung. Jeder Kasper mit Twitter-Account und Facebook-Profil meint mittlerweile die große Ahnung zu haben und diese an die ach so unfähigen Unternehmen weitertragen zu müssen. Marke “Wer nix wird wird Wirt war früher. Heute wird man Web2.0 Experte.”

Mich stört der Verfall der (deutschen) Blogosphäre, die es irgendwie auch nicht geschafft hat nach 2005 was großes zu reissen. Klar, es gibt die großen, es gibt die wichtigen, deren Arbeit möchte ich gar nicht kleinmachen. Aber meistens sind das Instanzen, die eben schon zur ersten re:publica Instanzen waren. Wo ist der Nachwuchs, wo sind die fantastischen, tollen, frischen Konzepte aus der Blog-Szene? Wo sind die Grenzübergreifenden Diskussionen? Wo bleibt der Diskurs?

Aber am allermeisten, am aller-allermeisten stört mich der Mangel an Innovation, der hier im Netz passiert. Auch klar, die wenigsten Leben von Luft und Liebe und müssen sich tagsüber ihre Miete verdienen und hauen dann in der spärlichen Freizeit aus Lust in die Tasten. Das finde ich gut. Aber ich befürchte, das die erwähnten Business-Kasper zunemhend die Überhand gewinnen, eben weil sie irgendwen davon überzeugen konnten, mit ihrer heißen Luft die Miete bezahlen zu können. Also, wo bleiben die großen Innovationen?
Twitter? Twitter ist auch schon seine vier Jahre alt, steigt immer mehr durch die Decke und ist in meinen Augen eine etablierte (und ja, auch sinnvolle!) Sache. Blogs? Die haben ja wie erwähnt seit Jahren eine gewisse Lethargie für sich gepachtet. Facebook? Da mag mich meine egene Skepsis vielleicht reiten, aber Facebook ist für mich auch nichts neues, macht ein bisschen mehr wie als wie als Flickr und die eigene Homepage. Also auch nicht weiter innovativ und neu und mag seine Etablierungsphase auch schon längst hinter sich gelassen haben. Was ist mit Audio? Video? Last.fm, YouTube, Podcasts? Ja, ja und ja, aber auch alles keine neuen Fortbewegungsmittel, sondern die alten Räder, die ebenfalls zu einem gewissen Standard geworden sind (bis auf Podcasts, die sind hier in Deutschland auch wieder fast bedeutungslos geworden).

Ich meine die richtig kreativen, neuen Dinger, die an der eigenen Vorstellungskraft kratzen und uns mit unserem Umgang des Netzes herausfordern. Ich denke da an eine Analogie zum iPhone. Klar, hat das Rad auch nicht neu erfunden, sondern eher vollends abgerundet, aber wir wurden alle von diesem Gerät und dem Umgang mit ihm weggefegt. Das Internet in der Hosentasche, mit den Fingern navigieren wir durch das Netz auf einem Touchscreen. Konsequent, diesen Bildschirm zu vergrößern und so das Netz noch schöner präsentieren zu können. Aber wo sind die neuen Konzepte? Warum sind Weblogs noch immer auf dem gleichen technischen Stand wie anno dazumal? Warum navigieren wir immer noch so unintuitiv über Archive, dazu noch chronologisch? Warum werde ich das Gefühl nicht los, dass nur noch Google versucht das Netz voranzubringen. Und was müssen sie sich dafür anhören? Prügel von den alten Medien und Betonköpfen.

Also, wollen wir das Netz wirklich den anderen überlassen, oder wollen wir endlich mal mehr draus machen?

Geschrieben von izanagi

März 4, 2010 um 7:45 pm

Veröffentlicht in Das Netz

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