Digital ist besser

Aus tiefster Überzeugung (…manchmal)

PS3 + Move = Wii HD

mit 4 Kommentaren

Sony präsentierte auf der Game Developer’s Conferebce in diesem Jahr ihre Antwort auf den Erfolg der Wii. Der PlayStation Move sieht nicht nur so aus wie eine Wiimote, Sony scheint sich ganz bewusst wie eine Wii HD präsentieren zu wollen. Ein paar Gedanken dazu, und warum das vielleicht gar nicht mal so doof ist.

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Im Bilde: Links der etwas sperrig benannte “Subcontroller”, rechts der “PlayStation Move” mit dem leuchtenden Ball. Nicht im Bild: Die erforderliche PlayStation Eye Kamera. Quelle: PlayStation Blog Europe

Nintendos Wii trug in seiner Planungs- und Konzeptphase den bedeutungsschwangeren Namen “Revolution”. Die älteren Jahrgänge unter euch mögen sich noch erinnern, das war im Jahre 2005. Der Name war Programm, ein streng geheimer Controller sollte die Art, wie wir spielen und wie wir über Spiele sprechen, völlig verändern. Aus dem Revolution wurde die Wii, aus der Wii wurde ein zweischneidiges Schwert.

Ja, die Wii hat ein gewaltiges Problem mit der Flut von minderwertigen Spielen. Das Problem hatte zwar bisher jeder Marktführer seiner Generation, aber bei Nintendo wird der eigentliche Segen damit zum Fluch: Man wollte Vati, Mutti, Oma und Opa und das kleine Schwesterlein nämlich auch zu Videospielen heranführen, was ein absoluter Erfolg wurde. Blöd nur, wenn diese neuen Zielgruppen keine eingebauten Sensoren (sprich: Blogs, Magazine und andere Informationsquellen) besitzen, um den erwähnten Müll von Qualität zu unterscheiden. Somit wird der Mist auf der Wii tatsächlich gekauft, statt im Regal zu versauern. Das führte sogar soweit, dass das Raum-Zeit-Kontinuum völlig umkippte: Auf der Wii sind die klassischen “Hardcore-Gamer” in der Minderheit. Während auf den anderen Plattformen eine natürliche Auslese stattfindet, findet sich diese auf der Wii in ihrer Umkehrung. Party- und Minispiele verkaufen sich wie blöde, die eigentlichen Blockbuster verschimmeln im Regal. Das machte die Wii über die letzten Jahre immer uninteressanter für Hardcore-Spieler, ein Teufelskreis entstand. Die Titel verkauften sich nicht, wurden deshalb nicht mehr produziert. Die Hardcore-Spieler wandten sich von der Wii ab, wodurch sich die Titel noch schlechter verkauften. Und so weiter und so fort.

Nach rund vier Jahren dieses Schauspiels, nach vier Jahren des Gelddruckens durch Nintendo und die neuen Zielgruppen, rieben sich Sony und Microsoft die Augen und mussten feststellen, dass Nintendo absoluter Marktführer in einer glänzenden finanziellen Situation war. Das Geheimnis, die vorher angekündigte Revolution durch den Controller war in finanzieller Hinsicht tatsächlich eingetreten. Und natürlich ist dieser Kuchen, das Feld des Motion Gamings, ein viel zu großer und verlockender, als dass die anderen nicht auch einen kräftigen Bissen mittels eigener Konzepte von diesem wollen.

Auf der letztjährigen E3 tröpfelten dann die ersten vorsichtigen Informationen zu den HD-Motion-Controllern von Sony und Microsoft heraus. In Redmond schmeißt man den Controller ganz aus dem Fenster und lässt die Leute mit einer Kamera spielen, in Tokyo wählt man die goldenen Mitte und bietet Kamera plus leuchtenden Zauberstab. Natürlich alles noch in der Konzeptphase, keine finale Hardware, Namen oder Spiele. Nur ein “Wir übrigens auch. Bald!”

Dieses “bald” rückt nun langsam näher. Microsofts Natal wird mit Sicherheit auf der diesjährigen E3 mit einem Paukenschlag präsentiert, Sony wählte auf der GDC weiterhin die Tröpfchen-Taktik. Finale Hardware, der finale Name wurden gezeigt, aber keine finalen Titel, keinen Starttermin oder einen konkreten Preis. Eher ein “so ungefähr”. Und dieses “ungefähr” ist nun Anlass für heftige Diskussionen unter Fanboys und Forentrollen.

Natürlich ist es noch ein weiter Weg bis zum Start der Hardware im Winter, nur wenige Glückliche auf der GDC hatten die Ehre den PlayStation Move ausprobieren zu können. Aber vielen ist klar geworden: Wird der Controller tatsächlich funktionieren und Sony ihn aggressiv genug vermarkten (eine Hoffnung, die man mit größter Vorsicht hegen muss), dann könnten sie die oben geschilderte Lücke im Katalog der Wii schließen. Natürlich will Sony ein großes Stück vom Kuchen der Wii-Kunden haben, sie selbst sprechen davon, die Wii-Kunden abzugreifen und an HD-Gaming heranführen zu wollen. Eben weil das aktuelle große Ding Party- und Minispiele mit Mutti, Vati, Oma und Opa sind. Verübeln kann man es ihnen in keinster Weise, auch Microsoft zeigte bisher hauptsächlich Konzepte für diese Zielgruppe. Sollen sie ruhig, wer sind wir denn schon, dass wir anderen vorschreiben dürfen, wie und was sie spielen?

Doch der große Pluspunkt auf Seiten Sonys dürfte die vorhandene Fanbase sein. Das Raum-Zeit-Kontinuum funktioniert nämlich noch auf der PlayStation, die Modern Warfares und GTAs dieser Welt sind die tonangebenden Titel, sowohl auf der PlayStation, als auch auf der XBox. PlayStation Move macht also, so scheint es, die PS3 zu einer Wii HD, ein Konzept, das Nintendo selbst nicht durchführen möchte. Das heißt im schlimmsten Fall ein Haufen Casual- und Party-Spiele für den Rest von uns, sowie einen hoffentlich genauso großen Haufen von Sony-Titeln mit (optionaler) Move-Steuerung. Dass das nicht zwangsläufig schlecht sein muss, zeigt Nintendo mit wenigen Lichtblicken auf der Wii. Zelda, Metroid und Resident Evil 4 zeigen, dass Motion-Steuerung auch dem Hardcore-Gamer Spaß machen kann, Madworld, Silent Hill und Dead Space zeigen aber auch, dass diese nicht mehr wirklich zum Kundenkreis der Wii gehören. Folglich werden wir in den nächsten Jahre noch weniger Titel dieser Gattung auf der Wii finden und mit etwas Glück in zunehmender Zahl und hoffentlich steigender Qualität in Zukunft verstärkt auf der PS3 mit dem PlayStation Move. Ich finde, dass kein so schlechtes Szenario ist.

(Hinweis: Dieser Artikel ist auch nebenan im Daily D-Pad erschienen.)

Geschrieben von izanagi

März 21, 2010 um 8:19 pm

Veröffentlicht in Zeug

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4 Antworten

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  1. Sag mal … ich hab an Hand der Pressephotos bisher immer gedacht, der blaue Bömmel da vorne dran wäre nur eine Illustration, die … irgendwas veranschaulichen soll, was auch immer. Aber der scheint da ja in echt dran zu sein.

    Der PS3 würde ich den Aufwind durch den neuen Kontroller ja gönnen, alleine schon um zu sehen, was Marc wohl machen wird, wenn auf der PS3 plötzlich die besseren Titel für Hardcoregamer erscheinen.

    Ich für meinen Teil kann zu alledem nur eines sagen: STEAM für OS/X! Fuck hell, yeah, back to the roots!

    ben_

    März 22, 2010 um 9:21 am

  2. Der Bömmel wird von der Kamera getrackt, sodass die PS3 die genaue Position im Raum erkennt, sogar die Raumtiefe anhand des Durchmessers des Böppels ;-) Un die Farbe wechseln kann er auch noch, falls dein Wohnzimmer zum Beispiel blau gestrichen ist, dann wird er eben rot. Wirkt albern, aber ich finde es spannend und recht durchdacht.

    Ich hoffe ja nur, dass Sony auch aggressiv genug versucht das Ding in den Markt zu drücken, weil das sonst wieder nix wird.

    Und ja, STEAM auf dem Mac. Scheiße, dann werd ich wohl tatsächlich auch mal auf dem Mac zocken müssen. Neuer iMac im Herbst mit Portal 2? Yes, please!

    izanagi

    März 22, 2010 um 9:40 am

  3. Hm. Wenn der Bömmel man nur gut festgemacht ist, oder er so angebracht ist, dass er nicht abbricht, sondern nur “rausgeht” so dass man ihn wieder reinfriemeln kann.

    ben_

    März 22, 2010 um 9:42 am

    • Da mach ich mir mal keine großen Sorgen drum ;-)

      izanagi

      März 22, 2010 um 9:45 am


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